Mehrwertsteuererhöhung wirft schon Schatten
Köln (dpa/gms) - Die Banken werben schon vermehrt für Konsumentenkredite. Sie wollen Verbrauchern große Anschaffungen vor dem Jahreswechsel schmackhaft machen.
Köln (dpa/gms) - Die Banken werben schon vermehrt für Konsumentenkredite. Sie wollen Verbrauchern große Anschaffungen vor dem Jahreswechsel schmackhaft machen.
Wenn zum 1. Januar wird die Mehrwertsteuer um drei Punkte auf 19 Prozent angehoben und Autos oder Möbel sowie viele Gebrauchsartikel werden teurer. Viele Preise sind aber bereits jetzt gestiegen - wie Verbraucherschützer vermuten, damit die Händler in einigen Monaten mit stabilen Preisen werben können.
Im Warensortiment von Discountern hat es in den vergangenen Monaten bundesweit im Vergleich zum Vorjahr schon bei weitem mehr Preisanhebungen als -senkungen gegeben. Das geht aus Daten des Wirtschaftsinformationsdienstes Preiszeiger in Köln hervor, der täglich die Preise von Lebensmitteln und Drogerieartikeln mehrerer Billigketten erhebt. «In der Kosmetik hat sich am meisten getan», erläutert Geschäftsführer Andreas Breitbart. Ebenso seien die Preise für Haushaltswaren und Getränke im Schnitt höher als zu Jahresbeginn.
Auf dieselbe Entwicklung weist der so genannte Preismonitor des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hin: Seit Juni notieren die Experten die Preisentwicklung für 42 Waren und Dienstleistungen. Ihren Aufzeichnungen zufolge sind im Sommer vor allem Drogerieartikel teurer geworden. So stiegen die Preise für Duschgel um ein halbes Prozent, die für Zahnpasta um 1,3, für Geschirrspülmittel um 0,8 Prozent und für Tapetenkleister um 1,3 Prozent.
«Wir bekommen gerade immer mehr E-Mails von Verbrauchern, dass die Preise angezogen haben», sagt auch Theo Wolsing von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Das passe zwar auf den ersten Blick nicht mit den aktuellen Werbeaktionen verschiedener Händler zusammen, die in langen Listen versprechen, welche Preise zum 1. Januar in keinem Fall angehoben würden. «Da wird doch aber eine Mischkalkulation gemacht. Wenn ich zum Beispiel den Preis für Erdbeerjoghurt erhöhe, kann ich den für Toilettenpapier natürlich gleich lassen», erklärt Wolsing.
Dass Eile derzeit beim Einkaufen ein schlechter Ratgeber ist, hat aber noch weitere Gründe. Gerade bei größeren Anschaffungen raten Experten zur Besonnenheit. So könne es sich beim Autokauf sogar lohnen, den Jahreswechsel abzuwarten - wer seinen Gebrauchten gleichzeitig in Zahlung geben will, bekomme nach der allgemeinen Preisanhebung schließlich auch mehr für den Alten heraus.
Theo Wolsing weist auf einen anderen Punkt hin: Ob aktuelle Preiserhöhungen mit der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung zusammen hängen, lasse sich zwar nicht mit Sicherheit sagen. «Klar ist aber, dass derzeit ein gewisser Kaufdruck aufgebaut wird.» Verbraucher machen daher auch keinen Fehler, wenn sie größere Anschaffungen verschieben. «Ich glaube, dass sich die Verbraucher nach dem 1. Januar erst einmal zurückhalten werden - und dann gibt es umso mehr Rabatte, um die Kauflaune anzukurbeln.»
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