Auch «kleine» Aktien haben Vorteile
Düsseldorf/Frankfurt/Main (dpa/gms) An der Börse buhlen große und kleine Werte um die Gunst der Anleger. Viele entscheiden sich dabei für bekannte Namen oder internationale Konzerne.
Düsseldorf/Frankfurt/Main (dpa/gms) An der Börse buhlen große und kleine Werte um die Gunst der Anleger. Viele entscheiden sich dabei für bekannte Namen oder internationale Konzerne.
Auch mit einem Investment in einen Börsenauftritt der Superlative fühlen sich die meisten Anleger auf der sicheren Seite. So ging Ende Oktober die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), eine vormalige Staatsbank Chinas, in Hongkong und Schanghai an die Börse - mit einem Erlös von annähernd 21,9 Milliarden Dollar war es der größte Börsengang in der Finanzgeschichte. Doch schiere Größe bedeutet nicht alles, denn auch kleine Nebenwerte haben ihre Vorteile.
Wer die ersten Gehversuche auf dem Börsenparkett wagt, dem rät Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf zu so genannten Blue Chips, also Standardwerten. «Da kann man sich erst einmal ansehen, wie Börse überhaupt funktioniert und eigene Erfahrungen sammeln.» Zu den deutschen Standardwerten zählen die großen DAX-Unternehmen wie Deutsche Bank, Allianz oder Siemens. Um strategisch richtig an die Börse heranzugehen, empfiehlt der Rechtsanwalt, nur das zu kaufen, «was der Anleger auch wirklich versteht».
Doch auch bei den DAX-Werten gibt es keine Erfolgsgarantie. «Groß heißt nicht zwingend besser», sagt Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt. «Es kommt bei allen Unternehmen auf die Qualität an.» Gerade Aktien kleiner Werte, so genannte Small Caps, zögen wegen ihres insgesamt geringeren Anteils am Gesamtmarkt häufig weniger Aufmerksamkeit der Investoren auf sich als Blue Chips. «Dabei sind die kleinen Werte in den letzten Jahren gut gelaufen», sagt Markus Gies, Vermögensverwalter aus Frankfurt. Denn bei den Small Caps gibt es viele Sonderthemen, die nicht von der globalen wirtschaftlichen Lage abhängig sind. Als Beispiel nennt Fey ein Unternehmen, das Spezial-Software entwickelt. Blue Chips hingegen sind global aufgestellt und unterliegen den Einflüssen des internationalen Marktes.
Bei den Nebenwerten gilt deshalb: Wer hier investieren will, sollte sich vor dem Kauf von Aktien gründlich informieren. «Je unbekannter und kleiner der Wert wird, desto mehr sollte der Anleger bereit sein, sich mit dem Unternehmen zu beschäftigen», rät Fey. Denn der Erfolg kleinerer Unternehmen könne manchmal stark von einzelnen Produkten, wenigen Abnehmern sowie von regional oder auf relativ enge Märkte begrenzten wirtschaftlichen Einflüssen abhängen. Zudem seien die Kurse von Nebenwerten «von der Tendenz her ein bisschen schwankungsanfälliger, auch weil sie in geringerem Umfang gehandelt werden», erklärt Fey.
Zunächst müsse sich der Anleger jedoch über seine Mentalität klar werden: Braucht er Spannung oder will er ruhig schlafen? «Derjenige, der gern ein Risiko eingeht und sich gut auskennt, der kann auch bei Nebenwerten aktiv werden», sagt Tüngler. Wichtig sei es auch hier, nicht irgendeinem «heißen Tipp» nachzustreben, sondern sich aktiv um Informationen zu bemühen. Trotz solcher Risiken sei es grundsätzlich sinnvoll, in Small Caps zu investieren, rät das Deutsche Aktieninstitut. Unter diesen seien viele Gesellschaften mit gutem Entwicklungspotenzial zu finden. Dass kleine Aktien höheren Schwankungen und Risiken unterliegen, dürfe auch nicht verallgemeinert werden, sagt Geschäftsführer Fey.
Gies hingegen mahnt zur Vorsicht in diesem Marktsegment. Die Gefahr, sich die Finger dabei zu verbrennen, sei einfach zu groß. Zwar seien viele kleine Werte in den vergangenen Jahren schick und modern gewesen: «Aber auf diesen Zug würde ich nicht mehr aufspringen.» Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes habe sich die Spreu vom Weizen getrennt. Gies rät zum Kauf von Standard-Titeln, zum Beispiel im Technologie-Sektor, der derzeit stark unterbewertet sei. «Unternehmen wie Microsoft haben prall gefüllte Kassen und werden irgendwann wieder angreifen», ist sich Gies sicher.
«Risiken sind auch Chancen», sagt Experte Fey. Seiner Ansicht nach gehören kleine Aktien in jedes Depot. Durch den Streuungseffekt werden überdurchschnittlich gute und schlechte Kursentwicklungen ausgeglichen. Die Rendite des gesamten Aktiendepots verläuft dadurch relativ gleichmäßig. Das Risiko eines gemischten Depots liege damit weit unter den Risiken der Einzelaktien.
Einen hundertprozentig sicheren Tipp für die Auswahl von Aktien gibt es nicht. Grundsätzlich gilt für den Privatanleger, sich zu überlegen, welches Risiko er eingehen will. Wer sich eingehend über die Unternehmen und die verschiedenen Marktsegmente informiert, der dürfte am Ende auch der Gewinner sein.
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