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Donnerstag, 2. November 2006

Arme werden ärmer - mehr Junge überschuldet

Düsseldorf (dpa) - In Deutschland wird die Kluft zwischen Regionen mit vielen und mit wenigen Schuldnern immer tiefer. «Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander», sagte Helmut Rödl, Vorstandsmitglied der Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform.


Düsseldorf (dpa) - In Deutschland wird die Kluft zwischen Regionen mit vielen und mit wenigen Schuldnern immer tiefer. «Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander», sagte Helmut Rödl, Vorstandsmitglied der Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Die Schuldnerquote sei 2006 zwar nur von 10,4 auf 10,6 Prozent gestiegen, jedoch würden die Armen immer ärmer und die Zahl der jungen Überschuldeten immer größer. 7,2 Millionen Deutsche könnten ihre Zahlungsverpflichtungen auf absehbare Zeit nicht begleichen. Hauptursachen seien Arbeitslosigkeit und Niedrigeinkommen.

Als überschuldet gilt, wer dauerhaft seine monatlichen Ausgaben nicht durch seine Einnahmen decken kann. «Ein Nord-Süd-Gefälle ist deutlich gegeben», sagte Rödl. Allerdings liegt die Schuldnerquote mit 11,3 Prozent in den neuen Bundesländern nur leicht über der im Westen mit 10,5 Prozent. «Überschuldung ist offensichtlich kein spezielles Problem der neuen Bundesländer.»

Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen wie im Vorjahr Bayern (7,7 Prozent), Baden-Württemberg (8,1 Prozent) und Sachsen (9,8 Prozent) auf. Schlusslichter sind Bremen (15,3 Prozent), Berlin (15,2 Prozent) und Sachsen-Anhalt (13,4 Prozent). «Generell ist die Situation auf dem Land besser als in der Stadt», sagte Rödl.

Der Anteil der überschuldeten unter 20-Jährigen ist im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 0,9 Prozent gestiegen. «Die Verbraucherinsolvenzentwicklung zeigt seit Jahren steil nach oben», betonte Rödl. Allein im ersten Halbjahr haben nach Angaben der Creditreform knapp 44 000 Menschen einen Antrag auf Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens gestellt. Das seien 41 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. «Zwei Drittel aller Schuldner sind Männer.»

Wege in die Schuldenfalle seien häufig der kreditfinanzierte Konsum und mangelnde finanzielle Allgemeinbildung. Rödl: «Folgen der Überschuldung sind oft Armut und soziale Ausgrenzung.» Ein großes Problem sei, dass die Schuldnerberatungsstellen der Nachfrage nicht Herr würden. «Viele warten bis zu eineinhalb Jahre auf einen Beratungstermin.» Als wichtigste Maßnahmen zur Bekämpfung der Überschuldung nennt Rödl den Abbau der Arbeitslosigkeit und Bildungsinvestitionen. Für die Zukunft sieht Rödl eine steigende Tendenz der Überschuldung. «Überschuldung erreicht zunehmend die mittlere Schicht unserer Gesellschaft».


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