Vorsorge: Heilungschance bei Prostatakrebs verdoppelt
Hamburg (dpa) - Die Heilungschancen bei Prostatakrebs haben sich in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt. Entscheidend sei die frühzeitige Entdeckung, sagte einer der Chefärzte der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Prof. Hans Heinzer.
Rund 80 Prozent der Prostatakarzinome werden dort inzwischen in einem lokal begrenzten Stadium behandelt. Die Heilungschance beträgt dann 90 Prozent. Bei späterer Diagnose mit einem lokal fortgeschrittenen Tumor bleiben nur 50 Prozent tumorfrei. Es gibt aber auch Fortschritte für Patienten, die nicht geheilt werden können. «Wir haben Therapien, die Zeit und Lebensqualität verschaffen.»
Als entscheidender Fortschritt in der Behandlung von Prostatakrebs gilt auch die Zufriedenheit der Patienten nach der Operation. Bei einer nervenschonenden Entfernung der Prostata können heute in vielen Fällen Potenz und Kontinenz erhalten werden, sagte Heinzer. In einer schriftlichen Befragung von 1083 Patienten, die 2003 oder 2004 im UKE oder der Martini-Klinik operiert wurden, äußerten sich 84 Prozent «sehr zufrieden» und 14 Prozent «zufrieden».
Als wichtig nannten die Befragten auch die Qualität der Beratung vor der Operation, sagte der Professor, der mit seinen Kollegen pro Jahr rund 1300 Prostataentfernungen am UKE und der Martini-Klinik vornimmt. «Vorabinformation ist für die Patienten enorm wichtig», sagte Heinzer. «Sie wollen wissen, was wird aus mir?» Im Vergleich zu früher seien die Patienten heute besser informiert und viel interessierter. Es reiche nicht mehr, Ihnen zu sagen, sie seien in guten Händen und alles werde gut verlaufen. Ausführliche Informationen machen es leichter, «psychisch mit der Situation zurechtzukommen».
Heinzer appellierte an alle Männer, spätestens im Alter von 45 Jahren erstmals zur Prostata-Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Dabei sei der PSA-Test die einzig verlässliche Methode. Dieser werde im Rahmen einer Vorsorge von den Krankenkassen nicht bezahlt und koste etwa 30 Euro. Im Gegensatz zur alleinigen rektalen Untersuchung könne ein Karzinom aber in einem sehr frühen Stadium erkannt werden. «Bisher nehmen leider erst 40 Prozent die Chance zur Vorsorgeuntersuchung wahr.»
Mit 1300 Operationen im Jahr gehören das UKE und seine Tochtergesellschaft Martini-Klinik zu den drei größten derartigen Zentren weltweit. Es bestehe ein klarer Zusammenhang zwischen den Fallzahlen und dem Erfolg. «Die Spezialisierung ist ein Trend in der Medizin», sagt Heinzer. Wer eine schwierige Operation jeden Tag durchführe, gewinne mehr Erfahrung und operiere besser. Ähnlich der Brustzentren sollen die Hamburger Prostataspezialisten demnächst eine Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft bekommen. «Das Verfahren dazu läuft», sagte Heinzer.
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