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Donnerstag, 24. August 2006

Versicherungsbetrug kann schlimme Folgen haben

Köln (dpa/gms) - Es fängt an mit der kaputten Brille. Mancher schreckt aber auch nicht davor zurück, sich einen Daumen abzuschneiden: Dirk-Carsten Günther kann eine Menge über versuchten Versicherungsbetrug erzählen.


Köln (dpa/gms) - Es fängt an mit der kaputten Brille. Mancher schreckt aber auch nicht davor zurück, sich einen Daumen abzuschneiden: Dirk-Carsten Günther kann eine Menge über versuchten Versicherungsbetrug erzählen.

Im Auftrag von Unternehmen bearbeitet der Anwalt aus Köln pro Jahr mehrere hundert Streitfälle, in denen Versicherungsunternehmen die Haftung nicht übernehmen - und Verbraucher dagegen klagen. Wenn es um große Summen geht, schaltet er auch schon mal private Ermittler ein.

Verbraucher sind aber nicht nur dann schlecht beraten, ihre Versicherung erleichtern zu wollen, wenn viel Geld im Spiel ist. «Versicherungsbetrug ist eine Straftat. Außerdem riskieren Betrüger, lebenslang ihren Versicherungsschutz zu verlieren», sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzburg. Denn das Gesetz räumt den Versicherern bei einem nachgewiesenen Betrug ein außerordentliches Kündigungsrecht ein - «und das wird in aller Regel in Anspruch genommen.»

Auch wenn seine Organisation mit den Unternehmen oft genug nicht einer Meinung ist, findet Rudnik es richtig, dass die Versicherer hart gegen Betrüger vorgehen: «Viele denken, dass sie aus den eingezahlten Beiträgen wieder etwas heraus bekommen müssen.» Hinter dem Abschluss einer Police stehe jedoch der Solidargedanke, dass alle in einen Topf einzahlen, um sich vor großen Risiken zu schützen.

«Man bekommt ja eine Leistung für sein Geld: den Versicherungsschutz», fügt Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin hinzu. Den könne der Versicherte nur leider nicht zählen, solange nichts passiert.

Anonyme Befragungen hätten ergeben, dass jeder Zehnte schon einmal seinen Versicherer betrogen hat - indem ein Schaden höher beziffert oder ein selbst verschuldetes Malheur als Unfall ausgegeben wurde. Nachbarn oder Freunde lassen dann ihre Haftpflichtversicherung einspringen. Auch Hausrat- und Kfz-Versicherung werden nach Statistiken des Verbandes oft betrügerisch in Anspruch genommen.

Ein Hinweis auf einen Betrugsversuch sei beispielsweise, wenn bei einem Diebstahl die Einbruchspuren fehlen: «Dann werden unabhängige Sachverständige eingeschaltet, die sich die Umstände genau ansehen.» Auch wenn Versicherte immer wieder mit ähnlichen Schäden bei den Unternehmen anklopfen, lässt die Abteilung Schadensregulierung der Versicherung das Scheckbuch zunächst in der Schublade.

Solche Vorbelastungen können Unternehmen mit der so genannten Uniwagnis-Datei herausfinden. Sie wurde von der Branche eigens zum Schutz vor Betrug ins Leben gerufen. Über Umwege kann ein Versicherer darin einsehen, ob ein Geschädigter schon häufiger wegen ähnlicher Anzeigen aufgefallen ist.

Vor dem Blick in die Datei lassen sich die Unternehmen aber den Sachverhalt schildern. «Unserer Erfahrung nach werden Schadensfälle ab 500 Euro aufwärts eingehend geprüft», sagt Rudnik. Im Zweifelsfall müssen Versicherte das beschädigte Produkt einschicken. Treten bei der Untersuchung Widersprüche auf, kommen die Gutachter ins Spiel.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen werde es immer Fälle von Betrug geben, sagen die Experten. «In den meisten Fällen geht es um kleine Schadenssummen», erläutert Brockmann. Da sei es eine Abwägungssache, mit welchem Krafteinsatz die Versicherung das verfolgt.

 

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