Selbstkritik und Gelassenheit für Autofahrer wichtig
Berlin/Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Um die Unfallzahlen weiter zu verringern, setzen manche Autofahrer auf den technischen Fortschritt. Dabei besteht jedoch die Gefahr, sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen.
Berlin/Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Um die Unfallzahlen weiter zu verringern, setzen manche Autofahrer auf den technischen Fortschritt. Dabei besteht jedoch die Gefahr, sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen.
Jeder Verkehrsteilnehmer kann aber durch sein Verhalten dazu beitragen, dass die Straßen sicherer werden: indem er regelmäßig sein fahrerisches Können und seine Gesundheit hinterfragt, sich fortbildet und versucht, im hektischen Verkehr gelassen zu bleiben.
Diese Grundsätze betreffen Autofahrer aller Altersgruppen, sagt Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Berlin. Jede Fahrergruppe habe ihre spezifischen Defizite, die sie aber durch Trainings- oder Vorsichtsmaßnahmen ausgleichen kann.
Junge Führerscheininhaber etwa glaubten zwar oft, dass sie am Steuer alles gut im Griff haben. Tatsächlich fehle ihnen aber für unvorhergesehene Situationen die Erfahrung. Ältere Fahrer wiederum seien bei den Verkehrsregeln nicht immer auf dem aktuellen Stand. Gefährlich kann auch die Routine sein: Untersuchungen bei Berufspendlern zeigen, dass sie Verkehrszeichen auf ihrer «Hausstrecke» nicht mehr bewusst wahrnehmen. Und Senioren geraten laut Schulte wegen des nachlassenden Reaktionsvermögens in kniffligen Situationen wie dem Linksabbiegen an Kreuzungen leicht ins Schwitzen.
Für sie alle gibt es laut dem DVR-Experten Fortbildungsangebote, in denen entsprechende Situationen geübt werden. Das Problem ist jedoch, dass die meisten Autofahrer - egal, ob jung oder alt - glauben, sie hätten solche Kurse gar nicht nötig. «Es gibt da wenig Einsicht. 90 Prozent der Autofahrer halten sich für gut», sagt Alfred Fuhr, Verkehrssoziologe beim Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt. Daher würden Angebote zur Nachschulung kaum angenommen.
Der erste Schritt ist laut Fuhr die Einsicht, dass man etwas nicht mehr so gut kann. Hellhörig sollten Autofahrer zum Beispiel nach einer erlebten kritischen Verkehrssituation oder einem Unfall werden, in den sie verwickelt waren. Hinweise von Freunden oder Verwandten zur Fahrweise helfen Kay Schulte vom DVR zufolge dagegen kaum. Besser sei es, eine objektive Rückmeldung über das fahrerische Können von Leuten zu erhalten, die das professionell machen.
Das gleiche gilt Almut Schönermarck vom ADAC in München zufolge für gesundheitliche Beeinträchtigungen. So lasse das Sehvermögen ab dem 50. Lebensjahr kontinuierlich nach. Auch bei jüngeren Fahrern könnten die Augen schlechter werden. Die Leiterin der ADAC-Verkehrsmedizin empfiehlt, selbstkritisch auf erste Anzeichen zu achten. Ein Indiz kann sein, wenn Kennzeichen nicht mehr klar erkannt werden oder wenn sich Fahrer nachts durch Scheinwerfer geblendet fühlen. «Dann sollte man beim Augenarzt einen Sehtest machen lassen», sagt Schönermarck. Auch wenn sich Autofahrer körperlich nicht gut fühlen, sei ein Gesundheitscheck angebracht.
Nicht nur, wenn körperliche Gebrechen zunehmen und Medikamente eingenommen werden müssen, empfiehlt Kay Schulte einen Selbstcheck vor dem Starten des Wagens. «Jeder kann sich vor Antritt der Fahrt kritisch hinterfragen: Bin ich fit? Wenn viele negative Punkte zusammenkommen, sollte man das Auto besser stehen lassen.» Dadurch ließen sich manche kritischen Situationen vermeiden. Gleiches kann eine vorausschauende Fahrtplanung leisten, ergänzt Alfred Fuhr. «Autofahrer sollten immer zehn Minuten mehr einplanen und ihre Termine so legen, dass sie nicht unter Zeitdruck geraten.»
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