Richtiges Verhalten bei Wildunfällen
Berlin/München (dpa/gms) - Nach einem Wildunfall sollten Autofahrer in keinem Fall selbst versuchen, ein leidendes Tier von seinen Qualen zu erlösen. Das rät Gregor Beyer, jagdpolitischer Sprecher des Naturschutzbunds Deutschlands (NABU) in Berlin.
Berlin/München (dpa/gms) - Nach einem Wildunfall sollten Autofahrer in keinem Fall selbst versuchen, ein leidendes Tier von seinen Qualen zu erlösen. Das rät Gregor Beyer, jagdpolitischer Sprecher des Naturschutzbunds Deutschlands (NABU) in Berlin.
Nur Jäger und Tierärzte verfügten über die Qualifikation, die dem Gesetz zufolge zur Tötung ermächtigt. «Sie machen sich strafbar, wenn Sie selbst versuchen, das Tier zu töten», erklärt der Experte. Wie aus einer neuen Studie des NABU hervorgeht, ist der Straßenverkehr für Wildtiere die Todesursache Nummer Eins. Für viele Arten sei die Häufung der Unfälle bestandsbedrohend. Laut dem ADAC in München werden in Deutschland jedes Jahr rund 220 000 Rehe und mehr als 200 000 Hasen, Füchse und anderes Kleinwild überfahren. Der regulierte Schaden an den Autos betrage rund 500 Millionen Euro.
Es sei allerdings wenig sinnvoll, die Telefonnummern von Forstverwaltungen im Handschuhfach zu deponieren, fügte Beyer hinzu, der als Jäger und Förster in Angermünde (Brandenburg) tätig ist. «Die Reviere sind sehr kleinflächig: Mal ist die Landesforstverwaltung, mal ein Jagdpächter zuständig.» Autofahrer, die in einen Wildunfall verwickelt sind, rufen daher am besten einfach die Polizei. In jeder Dienststelle liegen Beyer zufolge Listen mit zuständigen Jägern, die im Ernstfall von der Polizei verständigt werden.
Häufig lassen sich Wildunfälle nicht vermeiden, weil die Tiere für Autofahrer überraschend die Straße queren. Wenn plötzlich Wild auf der Straße steht, sollten Autofahrer sich aber vor allem schnell entscheiden. Die Frage «Draufhalten oder bremsen?» müsse umgehend beantwortet werden, sagt Thomas Hessling, Wald- und Wildtierspezialist des ADAC. Zwar überfahre niemand gern ein Tier. Wer eine Vollbremsung vornimmt, riskiere aber, dass der Hintermann auffährt. Daher könne es für die beteiligten Autofahrer sinnvoller sein, die Kollision mit dem Tier in Kauf zu nehmen.
Das gilt vor allem für drohende Zusammenstöße mit kleinen Tieren. Denn die Kaskoversicherung zahlt nur für Unfälle mit Haarwild: «Rotwild, Füchse und Wildschweine sind die häufigsten Fälle», erklärt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Für Schäden durch Kollisionen mit Kaninchen, Hühnern oder Fasanen zahlten die Unternehmen dagegen nicht.
Bei Federvieh auf der Straße sollten Autofahrer daher gut überlegen, ob sie ausweichen. Der mögliche Schaden etwa durch die Kollision mit einem Baum sei in der Regel höher. Das sieht auch Thomas Hessling so: Wer sich für das Bremsen entscheidet, sollte das Lenkrad unbedingt gerade halten: «Bloß keine Ausweichmanöver - die landen meist vor dem Baum oder im Gegenverkehr.»
Kommt es zu einem Unfall, sollten Autofahrer den Warnblinker anschalten und das Auto umgehend verlassen. So können sie vermeiden, dass neben dem Tier auch Menschen durch auffahrende Autos zu Schaden kommen. Wichtig sei auch, verletzte oder tote Tiere nicht anzufassen. «Gerade bei gehörnten Tieren können Sie sich sonst schwere Verletzungen holen. Und bei Füchsen besteht die Möglichkeit einer Ansteckung mit Tollwut.» Ferner sollten Autofahrer es unterlassen, tote Tiere einfach mit nach Hause zu nehmen, sagte Beyer: «Sie machen sich dann der Wilderei schuldig.»
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