Leichtsinn auf der Piste: Viele Unfälle sind vermeidbar
Wien (dpa) - Übermütige Urlaubsstimmung, fehlende Ausrüstung, Alkohol und mitunter maßlose Selbstüberschätzung bilden für viele Wintersportler eine lebensgefährliche Mischung. Die Zahl der bösen, teils tödlichen Unfälle steigt.

Mitglieder der Bergwacht trainieren den Abtransport von Verletzten. Die Zahl der Wintersportunfälle ist stark gestiegen. (Bild: dpa)
Wien (dpa) - Übermütige Urlaubsstimmung, fehlende Ausrüstung, Alkohol und mitunter maßlose Selbstüberschätzung bilden für viele Wintersportler eine lebensgefährliche Mischung. Die Zahl der bösen, teils tödlichen Unfälle steigt.
Ob Skifahrer, Snowboarder oder Rodler - nach Berechnungen von österreichischen Medien verunglücken in dem Alpenland inzwischen mehr Menschen auf den Pisten als auf den Straßen. Dabei wären viele der Unfälle vermeidbar, lautet das Urteil von Experten. «Es passiert generell viel zu viel in unseren Skigebieten», sagt der Sprecher der österreichischen Bergrettungsdienste, Gerald Lehner.
Gerade abseits der Pisten lockt der unberührte Tiefschnee immer mehr abenteuerlustige Urlauber in Gefahren, die Gelegenheitsskifahrer gar nicht einschätzen können. Von den mindestens 20 Toten in Österreichs Skigebieten in der laufenden Saison starben 13 Menschen in Lawinen, die sie teils selbst losgetreten hatten. Im Schnitt kommen in Österreich jeden Winter 26 Sportler in Schneemassen ums Leben. 80 bis 90 Prozent der Unfälle hätten bei der Beachtung einiger Sicherheitsstandards verhindert werden können, urteilt der Lawinenexperte des österreichischen Alpenvereins, Michael Larcher, in der Zeitung «Kurier»: «Es fehlt an Risikobewusstsein, vor allem bei Variantenfahrern abseits des gesicherten Skiraums.» Und dieses vermeintlich «freie» Fahren abseits der Pisten kommt immer mehr in Mode, bestätigt ein Seilbahnbetreiber.
Bei Stichproben der Bergrettung hatte jedoch kaum ein Ski- oder Snowboardfahrer die in diesem Gelände empfohlene Notfallausrüstung aus Handy, Sonde, Schaufel, Verbandszeug und Lawinenpiepser dabei. «Das ist die effektivste Hilfe», sagt Lehner. Selbst wenn die Bergrettung direkt alarmiert werde, könnten die Einsatzkräfte bestenfalls in 30 bis 45 Minuten am Unfallort sein. «Wenn wir mit den Lawinenhunden kommen, graben wir meistens Leichen aus.» Mit Sonde und Schaufel im Gepäck hätte ein Skifahrer seinen verunglückten Partner da schon längst lebend aus den Schneemassen retten können.
Selbst bei Unfällen auf den überwachten Ski- und Rodelstrecken ist nach Ansicht von Experten die Selbstüberschätzung auf immer härter und schneller werdenden Pisten die Hauptunfallursache, erst danach kommen Alkoholkonsum und Rücksichtslosigkeit. Während die Bergrettung seit Jahren in Deutschland über Wintersport-Gefahren aufkläre, würden beispielsweise momentan immer mehr völlig ungeübte Skifahrer aus Osteuropa und Russland in den Skigebieten fahren.
In der Verantwortung sieht die Bergrettung auch Reiseveranstalter und Tourismusexperten, die mehr über Gefahren aufklären müssten. Doch die Warnung vor Unfällen, Lawinen oder gar Todesfällen passe für die meisten Werber einfach nicht ins winterweiße Alpenpanorama, kritisiert Lehner.
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