Weg mit der Kippe: Nichtraucherkurse sind gefragt
Trier (dpa) - Die Angebote reichen von Ohrakupunktur über Entwöhnungstraining bis hin zur Hypnose. Sie haben alle ein und dasselbe Ziel: Den «Patienten» das Rauchen abzugewöhnen.
Viele der Therapien gibt es schon seit Jahren, doch seit der Einführung von Rauchverboten in fast allen Bundesländern sind zahlreiche neue Anbieter hinzu gekommen. «Es ist ein Trend, dass Menschen diese Angebote verstärkt suchen», sagt der Trierer Mediziner Professor Bernd Krönig. Die Zahl der Kurse in Deutschland - angeboten von Volkshochschulen, Krankenkassen oder kirchlichen Verbänden - habe zugenommen. «Das öffentliche Bewusstsein hat sich geändert», sagt Krönig.
Auch Angela Birkhold, die im rheinland-pfälzischen Pirmasens eine Rauchersprechstunde und den Nichtraucherkurs «Rauchfrei in 10 Schritten» anbietet, hat eine Zunahme ihrer Kundschaft registriert. Allerdings nicht zum Stichtag des Rauchverbots in Rheinland-Pfalz am 15. Februar 2008, sondern im ganzen Jahr davor. Sie kombiniert den Entwöhnungskurs bei starken Rauchern mit einer Ohrakupunktur zur Linderung der Entzugserscheinungen. «Am besten klappt es, wenn man sich ein Datum zum Aufhören setzt - dann die Vorhänge wäscht und die Aschenbecher wegwirft», sagt die Fachärztin für Allgemeinmedizin.
Auf die «Schluss-Punkt-Methode» schwört auch die Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) in Rheinland-Pfalz. Aber ab einem bestimmten «Stopp-Tag» nicht mehr zu rauchen, das erfordere eine sehr starke Motivation, sagt LZG-Geschäftsführer Jupp Arldt in Mainz. In 80 Prozent der Fälle sei diese Methode indes die erfolgreichste. Im vergangenen Jahr habe es immerhin fast eine Million Menschen in Deutschland geschafft, vom Glimmstängel loszukommen, ergänzt Arldt. Er hofft, dass wegen des Rauchverbots Entwöhnungskurse stärker besucht werden - und noch mehr Menschen das Rauchen sein lassen.
Verlockend klingt die Therapie von Heilpraktikerin Martina Nolte in Ludwigshafen. Sie versetzt ihre Patienten mit Hypnose in einen Trancezustand und vermittelt ihnen in einer etwa eineinhalbstündigen Sitzung, dass sie mit dem Rauchen aufhören müssen. «In 90 Prozent der Fälle hat die Hypnose Erfolg», versichert Nolte. Während der Hypnose gebe es eine Bewusstseinsänderung, bei der «ein Schalter umgelegt» werde. Vorher habe der Patient das Rauchen gebraucht, danach sei es ihm gleichgültig.
Nikotinkaugummi oder -pflaster betrachtet die Heilpraktikerin als wenig sinnvoll, «weil Rauchen im Kopf entsteht». Dem Körper weiter Nikotin zuzuführen, gehe «am Thema vorbei». Das sieht Mediziner Krönig, der schon zahlreiche Nichtraucher-Kampagnen gestartet hat und das bundesweite Forum «Rauchfrei» unterstützt, anders. Es gebe sehr wohl Raucher, die neben einer psychologischen Behandlung auch eine Nikotin-Ersatztherapie brauchten. Unter der Vielzahl der Angebote müsse man «die Spreu vom Weizen trennen». Längst nicht alle Vorschläge seien «honorig». Bundesweit sterben laut LZG jährlich 140 000 Menschen an Erkrankungen, die auf das Rauchen zurückgehen.
Daniel Fauth von der Sucht- und Jugendberatung Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen) setzt auf die klassischen Entwöhnungskurse, die über mehrere Wochen gehen. «Bei Ohrakupunktur oder Hypnose gibt man die Verantwortung ab», sagt er. Gegen das Rauchen gebe es «keine Tablette», sondern man müsse den Alltag ändern. In seinen Kursen hat die Teilnehmerzahl allerdings nicht zugenommen.
Heilerin Pia Martini aus Aach bei Trier glaubt auch nicht an die Wunderwirkung des Rauchverbots. «Das ist ein Zwang und wenn etwas verboten wird, sind wir alle wie Kinder und machen trotzig weiter», sagt die Hypnotiseurin.
Nebenwirkungen hatte das Rauchverbot allerdings eindeutig bei Mitarbeitern der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, die im vergangenen Herbst in Hinblick auf die bevorstehende «rauchfreie Behörde» fleißig angebotene Nichtraucherkurse besuchten. «Von 23 Teilnehmern haben es elf geschafft, Nichtraucher zu werden, sagt ADD-Sozialberaterin Elisabeth Gläßer. Ein sehr guter Schnitt, denn in der Regel kommt in solchen Kursen nur ein Drittel von der Kippe weg.
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