Trommeln gegen Trauer: Hilfe für Kinder bei Tod von Eltern
Celle (dpa) Der neun Jahre alte Sebastian schlägt mit den Händen auf eine afrikanische Trommel. Seine siebenjährige Schwester Sophia kramt in einer Kiste voller Bücher.
Celle (dpa) Der neun Jahre alte Sebastian schlägt mit den Händen auf eine afrikanische Trommel. Seine siebenjährige Schwester Sophia kramt in einer Kiste voller Bücher.
Die Geschwister kommen seit eineinhalb Jahren in die Kinder- und Jugendgruppe des Onkologischen Forums Celle. Dort treffen sich regelmäßig 6- bis 18-Jährige, die bereits mit dem Thema Tod konfrontiert wurden. Sebastian und Sophia haben vor drei Jahren ihren Vater verloren. In der Gruppe, die von der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Kristine Michaelis-Nissen geleitet wird, haben sie die Chance, ihre Trauer verarbeiten zu können. Das Projekt wurde vor vier Jahren ins Leben gerufen.
«Kinder trauern anders als Erwachsene», erklärt Michaelis-Nissen. «Wenn sie ihre Trauer nicht richtig verarbeiten, haben sie es in ihrem späteren Leben schwer, Beziehungen einzugehen.» Vielfach werde bei einem Trauerfall in der Familie eine «Mauer des Schweigens» um die Kinder herum aufgebaut, ergänzt Gisela Lösche. Die Leiterin der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises Celle hält die Trauerarbeit des Onkologischen Forums für enorm wichtig. Das Forum bietet professionelle Beratung, Unterstützung und Begleitung in allen Fragen, die im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung stehen. Bis heute wird das Projekt mit Hilfe von Spendengeldern finanziert.
«Oft wird in den Familien gar nicht über todbringende Krankheiten gesprochen», sagt Lösche. Dann sei es für die betroffenen Kinder eine Erleichterung, einen Ort zu haben, wo sie über ihre Gedanken und Gefühle reden können. «Sie fühlen sich dann in ihrer Trauer nicht isoliert und lernen andere Kinder in ähnlichen Situationen kennen».
«Die Kinder reden in der Gruppe oft über ihre Erfahrungen mit dem Tod», sagt Michaelis-Nissen. «Manchmal bringen sie auch alte Fotos und Erinnerungsstücke von ihren toten Vätern, Müttern oder auch Geschwistern mit». Die Mädchen und Jungen sprechen dann über ihre Erinnerungen und darüber, wie sie mit dem Verlust eines ihnen nahe stehenden Menschen klarkommen. «Es kommt auch hin und wieder vor, dass sie dann weinen», erzählt Michaelis-Nissen. «Dann nehmen sich die Kinder gegenseitig in den Arm und trösten sich».
Doch nicht nur Tränen bestimmen die regelmäßigen Treffen der Kinder. Innerhalb der zwei Stunden, in denen die Mädchen und Jungen zusammen sind, wird gemalt, Musik gemacht, gespielt und vor allem viel gelacht. Auch in der Gruppe sei es eben wie überall im Leben, sagt die Therapeutin. Und wie zum Beweis greift sich Sebastian seine afrikanische Trommel, klemmt sie zwischen seine Beine und schlägt mit seinen Händen darauf ein. Seine Schwester holt sich ebenfalls eine Trommel. Gemeinsam musizieren sie im Takt und fangen an zu lachen.
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