Staffellauf und Spiele: Kinder kämpfen gegen Übergewicht
Dresden (dpa) - «Fetter» oder «Klops» rufen Mitschüler ihnen nach. Dicke Kinder müssen Hänseleien oder Mobbing ertragen. In Kursen wie «Moby Dick» oder «Obeldicks» sollen sie lernen, durch Herumtoben und richtiges Essen schlank zu werden.
Dresden (dpa) - «Fetter» oder «Klops» rufen Mitschüler ihnen nach. Dicke Kinder müssen Hänseleien oder Mobbing ertragen. In Kursen wie «Moby Dick» oder «Obeldicks» sollen sie lernen, durch Herumtoben und richtiges Essen schlank zu werden.
Kindern erlernen ihre Gewohnheiten beim Essen und Sport über Jahre und können sie daher nicht über Nacht ändern - auch wenn die Waage im roten Bereich steht. Krankenkassen und private Initiativen setzen nun Hebel an, um das Übergewicht bei den Mädchen und Jungen zu reduzieren.
Beim Netzwerk «Moby Dick» mit Sitz in Hamburg und 24 Gruppen in Deutschland und Österreich treten Kinder zum Abspecken an. Kathleen Beuschel leitet die Dresdner Gruppe. «Für Übergewicht bei Kindern sind Familien gemeinsam verantwortlich», sagt die Sozialpädagogin. Während die Kinder und Jugendlichen drei Stunden pro Woche Sport treiben, Kochen lernen oder in Rollenspielen Schlagfertigkeit üben, werden Vater und Mutter zum monatlichen Elternabend zitiert.
Annelie Renner hat ihren Sohn Tilman auf den Rat der Schulärztin in der Dresdner Gruppe angemeldet. Er sei unzufrieden mit der Figur, hatte der Achtjährige geklagt. Auch Philipp Schmidt kennt sein Ziel: Der Neunjährige will «beim Sport bergauf rennen, ohne Letzter zu werden». Bei Staffelläufen und Spielen unter Ihresgleichen schöpfen die Kinder Mut.
«Die Rehabilitation in jungen Jahren kann den Teufelskreis bei Adipositas durchbrechen», sagt Kerstin Hillgärtner von der Barmer Ersatzkasse. Die schickt außer Form geratene Kinder seit 2006 in eine Caritas-Klinik in Feldberg im Schwarzwald. Danach motiviert der Hausarzt die Teilnehmer drei Jahre lang. Die Techniker Krankenkasse hat in Nordrhein-Westfalen Modellprojekt «Obeldicks» angeschoben. Bei bei Erfolg will Sachsen es übernehmen.
Kurse und Kuren begleiten die Patienten oft nur ein kurzes Stück und sind dennoch selten ausgebucht. Die von der IKK Sachsen gebotenen rund 20 Kurse «Gesund essen - kinderleicht» haben laut Sprecherin Andrea Ludolph immer Plätze frei. «Die Teilnahme an präventiven Kursen für Kinder ist tendenziell gering», sagt Heinz-Werner Raske von der AOK Sachsen. Persönliche Ernährungsberatungen bildeten Ausnahmen.
Kinder im Gesundheitsprogramm von «Moby Dick» müssen ein Jahr lang bei der Stange bleiben. Einige Kassen übernehmen die Kosten. Das Gesundheitsministerium unterstützt die Ernährungserziehung in Kindertagesstätten und Schulen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. «Wir haben keine Abbrecher», sagt Kathleen Beuschel. Schon das Halten des Gewichts bedeute Erfolg, sieben von zehn Kindern schafften das. «Viele werden fröhlicher und entwickeln sich besser.»
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