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Montag, 17. September 2007

Psychotherapeut: Sprache der Arbeitslosigkeit ist «entwertend»

Fulda (dpa) - Nicht nur die Arbeitslosigkeit selbst, sondern auch ihre Sprache, belastet aus Sicht von Therapeuten die Psyche von Erwerbslosen. Viele Begrifflichkeiten aus der Arbeitslosen-Debatte seien «entwertend».


Arbeitslosigkeit ist eine starke psychische Belastung für Betroffene. (Bild: dpa)

Fulda (dpa) - Nicht nur die Arbeitslosigkeit selbst, sondern auch ihre Sprache, belastet aus Sicht von Therapeuten die Psyche von Erwerbslosen. Viele Begrifflichkeiten aus der Arbeitslosen-Debatte seien «entwertend».

Das findet der Präsident der Landeskammer für Psychologische Psychotherapeuten in Hessen, Jürgen Hardt. «Wir machen uns nicht genügend klar, welche kulturellen Nebeneffekte die Debatte hat», sagte er in einem Gespräch.

Hardt kritisierte Begriffe wie «Ein-Euro-Job» als entwürdigend. «Das bedeutet: Da werden Arbeitslose zu wertloser Massenware gemacht». Unwillkürlich stellten sich «entwertende» Assoziationen ein, zum Beispiel Läden, die Ramsch für einen Euro das Stück verkaufen». Ähnlich beurteilt Hardt den Begriff «Arbeits-Agentur»: «Da wird der Arbeitslose zum Kunden.»

Psychisch belastend findet Hardt nicht nur die Terminologie der Arbeitslosigkeit, sondern auch die Aneinanderreihung befristeter Verträge oder das «Praktikantenunwesen» in höher qualifizierten Berufen. Nach dem Studium ein Jahr ohne Lohn zu arbeiten, findet Hardt «erschütternd». «Die Leute machen die volle Tätigkeit, aber ihre Arbeit ist nichts wert.» Damit würden Menschen «systematisch entwertet und verunsichert».

Arbeit sei ein zentraler Bestandteil der Persönlichkeit: «Wenn Sie jemanden fragen: 'Und was sind Sie?', dann arbeitet er mit seinem Beruf.» Das zeige, wie hoch die Bedeutung ist, die die Menschen ihrer Arbeit beimessen. Dementsprechend stark seien Folgen bei Verlust oder Entwertung des Jobs: «Psychische Krisen stehen häufig im Zusammenhang mit Veränderungen und Konflikten im Arbeitsleben.» Zu diesen Krisen gehörten der Verlust des Selbstwertgefühls oder Depressionen.

Therapeuten erlebten in ihren Gesprächen täglich «die psychische Dimension» von Arbeit, während das Thema im öffentlichen Diskurs «nur unter ökonomischen und bürokratischen Gesichtspunkten» gesehen werde, kritisierte Hardt. Therapeuten könnten zumindest helfen, zu begreifen, dass Arbeitslosigkeit nicht nur persönliches Versagen, sondern auch gesellschaftlich bedingt ist. Eigentlich wünscht sich Hardt aber, dass auch in der Politik mehr wahrgenommen wird, «was Arbeit den Menschen wirklich bedeutet».


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