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Montag, 28. Januar 2008

Anonymität hilft bei Problemen: Beratung im Web boomt

Fürth (dpa) - Immer mehr Jugendliche und Eltern suchen bei Konflikten in der Familie Rat im Internet. Seit Beginn dieses Jahres hat die virtuelle Beratungsstelle der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) bereits über 25 000 Nutzer verzeichnet.


«Wer ein Problem hat, will häufig anonym bleiben», sagte der Leiter der Beratungsstelle, Heinz Thiery. Durch die Gewährleistung der Anonymität sei der Kontakt mit Menschen möglich, die von selbst nie den Schritt zu einer Beratungsstelle wagen würden.

Das Angebot der Online-Beratung mit Sitz in Fürth ist zweigeteilt und sowohl auf Jugendliche wie auch ihre Eltern zugeschnitten. Das Alter der jugendlichen Nutzer liegt durchschnittlich bei 18 Jahren. «Besonders auf der Elternseite spielt der Selbsthilfe-Aspekt eine große Rolle. Sie stellen fest, dass andere die gleichen Probleme haben wie sie und bekommen Lösungsangebote von anderen Betroffenen», erläuterte Thiery. Jugendliche dagegen seien verstärkt auch auf die Moderation durch das geschulte Personal angewiesen.

Die Angebote der Internetberatung reichen von Einzelberatungen via Mail über Chats zu bestimmten Themenbereichen und offenen Gruppenchats bis hin zu Foren, in denen Probleme geschildert aber auch aktiv diskutiert werden können. «Rund 30 Prozent derer, die bei uns Hilfe suchen, lassen sich von uns dazu motivieren, anschließend Hilfe vor Ort in Anspruch zu nehmen», sagte Thiery. Besonders Jugendliche hätten häufig einen massiven Vertrauensbruch erlitten. «Wir wollen Vertrauen aufbauen, ihnen auch Ihre Rechte verdeutlichen und dabei helfen, dass sie sich um sich selbst kümmern können», erklärte Thiery.

Die Online-Beratung gibt es bereits seit dem Jahr 2000. Sie geht auf ein von der Bayerischen Staatsregierung gefördertes Modellprojekt zurück. Es wird inzwischen über Fördermittel der 16 Bundesländer finanziert. «Inzwischen betreuen 72 Fachkräfte aus ganz Deutschland online die Anfragen und Beiträge unserer Nutzer», berichtete Thiery.

Die Mitarbeiter sind zumeist ausgebildete Erziehungsberater, die mindestens fünf Jahre Berufserfahrung mitbringen müssen. Zusätzlich müssen sie ein halbes Jahr lang auf die besonderen Anforderungen der Internetberatung geschult werden. «Dieser Fachbereich ist noch sehr jung. Für diese Art der Beratung gibt es noch keine spezielle Methodik, auch daran arbeiten wir», sagte Thiery.


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