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Stichwörter: Burnout, Boreout, 
Mittwoch, 5. Dezember 2007

Zwischen «Burnout» und «Boreout» - Leiden am Arbeitsplatz

Hamburg (dpa) - Leiden am Arbeitsplatz ist weit verbreitet. Wer jedoch nur an Überforderung und den damit verbundenen Stress denkt, hat offenbar nicht die ganze Wirklichkeit im Kopf. Auch Langeweile macht krank.


Für Berufstätige, die an ihrem Arbeitsplatz unter Stress oder Langeweile leiden, tun sich Abgründe auf. (Bild: dpa-infocom)

Trotz Arbeitsverdichtung und steigender Zahlen bei der Stresskrankheit «Burnout» (Ausbrennen), gibt es auch das scheinbare Gegenteil: «Boreout» («Auslangweilen»/«Überlangweilen»). Das Phänomen ist unter Experten umstritten. In einer Leistungsgesellschaft ist es aber ganz und gar nicht prestigeträchtig. Egal ob «Boreout» oder «Burnout» - die beiden seelisch-körperlichen Belastungen am Arbeitsplatz ähneln sich.

Mehr als jeder zehnte Beschäftigte leidet nach Ansicht der Schweizer Unternehmensberater Philippe Rothlin und Peter Werder unter Langeweile am Arbeitsplatz. Das «Boreout»-Syndrom führe zu Müdigkeit, Gereiztheit und Lustlosigkeit - ähnlichen Symptomen wie «Burnout». Der Volkswirtschaft entstehe ein Schaden in Milliardenhöhe, sagen die beiden Autoren («Diagnose Boreout. Warum Unterforderung im Job krank macht»). Allein für Deutschlands Dienstleistungssektor haben sie eine Summe von etwa 180 Milliarden Euro jährlich errechnet.

Die Langeweile stellt sich demnach schleichend ein. Am Anfang versuchten die Beschäftigten, sich am Arbeitsplatz gemütlich einzurichten und Privates zu erledigen. «Doch irgendwann sind alle Reisen gebucht und alle Gespräche geführt. Und dann wird die Zeit bis zum Feierabend immer länger», sagt Rothlin. Langeweile sei viel schwerer zu ertragen als Stress.

Vor allem sei es anstrengend, «ständig so zu tun, als ob etwas zu tun ist». Die Betroffenen sind nicht faul, würden jedoch dazu gemacht, sagt Werder. Gerade Chefs müssten deshalb dafür sorgen, dass Untergebene ausgelastet sind. So mancher Untergebene weiß, dass «Burnout» und «Boreout» zusammenhängen können. Reißt die Chefin oder der Chef vieles an sich und delegiert nicht, brennt die Führungskraft aus, während die Mitarbeiter unterfordert sind.

Der Arzt und Buchautor Thomas Bergner («Burnout-Prävention. Das Neun-Stufen-Programm zur Selbsthilfe») hält «Boreout» indes nur für den «marketinggerechten Namen» eines alten Phänomens. Die Unzufriedenheit durch unausgelastet sein könne manchmal sogar Symptom einer Depression sein, sagt er. Ansonsten aber müsse jeder ehrlich zu sich selbst sein und sich den wahrscheinlich inneren Widerstand gegenüber dem Beruf eingestehen. Es gelte, sich entweder im Job stärker zu engagieren oder aber Beruf oder Stelle zu wechseln.

Bergner sagt, ein Vorteil der Langeweile sei es immerhin, kein «Burnout» zu bekommen. Dabei handle es sich nämlich um eine schwere, bisweilen tödliche Erkrankung. Ganze Branchen in Deutschland wie das Gesundheits- oder Bildungswesen drohten inzwischen «auszubrennen», sagt Bergner. Jedes Jahr entstünden Milliardenkosten.

Ein Drittel aller Frühverrentungen erfolge wegen seelischer Erkrankungen. «In Deutschland tut jedoch kaum jemand etwas dagegen. Es scheint, als gingen die Entscheidungsträger davon aus, dass Menschen beliebig ersetzbar sind.»

Bergner betont, die üblichen Ansätze zur Stressverminderung reichten beim «Burnout»-Syndrom nicht aus. Sie seien allenfalls als Schadensbegrenzung geeignet. Vorbeugend wirke nur, individuell anzusetzen. «Jeder muss rechtzeitig erkennen, was er wirklich kann und will im Leben.» Man müsse im Einklang mit sich leben und nicht gegen seine eigentlichen Bedürfnisse.

LITERATUR: Rothlin, Philippe; Werder, Peter R.: «Diagnose Boreout. Warum Unterforderung im Job krank macht», Redline Wirtschaft, ISBN: 978-3-636-01462-7, Euro 17,90;
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Bergner, Thomas M.H.: «Burnout-Prävention. Das Neun-Stufen-Programm zur Selbsthilfe», Schattauer, ISBN: 978-3-7945-2585-0, Euro 29,95 
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