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Donnerstag, 27. Dezember 2007

Wenn Stress die Zähne ruiniert: Viele knirschen unbewusst

Münster/Berlin (dpa/tmn) - Der Wecker klingelt, und mühsam hebt sich der müde Körper aus dem Bett. Die Augen sind noch gar nicht richtig offen, da schmerzt bereits der Kiefer. Er lässt sich kaum bewegen, der Druck zieht bis in die Schläfen.


Bei Knirschern kann eine Schiene verhindern, dass sie nachts ihre Zähne ruinieren. (Bild: Prodente/dpa/tmn)

Münster/Berlin (dpa/tmn) - Der Wecker klingelt, und mühsam hebt sich der müde Körper aus dem Bett. Die Augen sind noch gar nicht richtig offen, da schmerzt bereits der Kiefer. Er lässt sich kaum bewegen, der Druck zieht bis in die Schläfen.

«Das sind Hinweise auf nächtliches Zähneknirschen, die man dem Zahnarzt unbedingt mitteilen sollte», sagt Prof. Stephan Doering, Leiter des Bereichs für Psychosomatik in der Zahnheilkunde der Universitätsklinik Münster.

Sowohl das Zähneknirschen als auch das Zähnepressen fallen in der Medizin unter den Begriff «Bruxismus». Gerade nächtliche Knirscher sind sich ihres Leidens oft nicht bewusst. «Da ist es dann der Bettpartner, der sich beschwert», sagt Prof. Doering. Am Tag dagegen werde meist in stressigen Situationen gepresst: «Im Straßenverkehr, bei Prüfungen oder bei der Konzentration auf eine Aufgabe.»

Die Ursachen sind unterschiedlich. Oft ist das Knirschen psychosomatisch und eine falsche Art der Stressbewältigung. «Das ist das abgeguckte Zähnefletschen der Tiere», sagt Privatdozentin Ingrid Peroz, Leiterin der Kiefergelenksprechstunde der Berliner Charité. «Leider dürfen Menschen bei Stress und Aggressivität nicht einfach losbrüllen.» Die meisten Betroffenen seien zwischen 20 und 40 Jahre alt und in ihrer stressigsten Lebensphase.

Ebenso können Fehlstellungen des Gebisses oder nicht perfekte Füllungen, Brücken oder Kronen der Auslöser des Knirschens sein. Diese Unebenheiten werden unbewusst weggeknirscht. «Die Betroffenen versuchen, ihr 'Kauwerkzeug' zu reinigen», erklärt Oliver Ahlers, Leiter des CMD-Centrums Hamburg-Eppendorf und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT).

Nicht zuletzt können auch orthopädische Gründe, wie eine falsche Körperhaltung oder Störungen in der Wirbelsäulenfunktion, indirekten Einfluss auf die Kaumuskulatur haben. «Wenn es nicht nur einen Grund für das Knirschen gibt, sondern mehrere, kommt es zu Beschwerden», so Privatdozent Ahlers. Wenn die morgendlichen Kiefer- und Kopfschmerzen häufig auftreten, gilt es aufmerksam zu werden. «Auch Formveränderungen der Zähne oder glatt abgeriebene Schlifffacetten weisen auf nächtliches Knirschen hin», sagt Peroz.

Wenn der Betroffene den Verdacht hat, ein Knirscher oder Presser zu sein, sollte er seinen Zahnarzt unbedingt darauf hinweisen», sagt Prof. Stephan Doering. Denn für den Zahnarzt seien die Symptome nicht immer leicht zu erkennen. Auf der Internetseite www.cmd-check.de kann kostenfrei ein Selbsttest heruntergeladen werden.

Ist der nächtliche Knirscher entlarvt, kommt meist eine Aufbiss-Schiene zum Einsatz. «Diese ist aus transparentem Kunststoff und unterbindet zwar nicht das Knirschen, schützt aber die Zähne vor Abreibung», erläutert Ingrid Peroz.

Gegen die häufig vorkommenden psychosomatischen Ursachen hilft nur, die innere Unruhe und den Stress anderweitig abzubauen. «Man kommt schon zu mehr innerer Ruhe, wenn man sich im Leben und im Job realistische Ziele setzt und genug schläft», sagt Oliver Ahlers. Sonst könne Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga helfen.

Es gilt, sich auch tagsüber immer wieder selbst zu kontrollieren, und zu überprüfen, wie sich die eigene Kaumuskulatur anfühlt: «Außer beim Schlucken haben die Zähne nichts aufeinander verloren», sagt Peroz. Sie sollten entspannt in den Muskelschlingen liegen und sich nicht berühren.


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