«Holzklasse» statt Chefarztbehandlung
Der künftige Basistarif sieht eine Vergütung nach dem 1,8-fachen Satz vor - nur wenig mehr als im jetzigen Standardtarif. Seine Leistungen sind dagegen nach Angaben des Verbandes der Privaten Krankenversicherung voraussichtlich umfangreicher: «Im Standardtarif sind Reha- und Kurleistungen zum Beispiel nicht mit drin», erläutert PKV-Sprecher Oliver Bauer in Bonn. Genaue Regelungen werden aber derzeit erst erarbeitet. Trotz aller Kritik des PKV an der Reform sieht er im Basistarif auch einen kleinen Vorteil für die Versicherten: «Manche zahlen heute 750 bis 800 Euro im Monat - die können ihre Beitragslast dann senken.»
Doch genau das könne für alle Versicherten zum Problem werden: Je mehr Menschen den Basistarif in Anspruch nehmen, desto größer werde die Belastung für die Versichertengemeinschaft, sagt Bauer. «Bis zu zehn Prozent Beitragssteigerung» seien wahrscheinlich. Verbraucherschützerin Elß sieht dagegen noch deutlich höhere Beiträge auf die Privatversicherten zukommen - übrigens auch ohne die Gesundheitsreform. «Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest verdoppeln sich die Beiträge durchschnittlich alle zehn Jahre.»
Grundsätzlich rät Elß vom Wechsel in die PKV ab - allerdings mit Ausnahmen: «Für Beamte rechnet sich das immer.» Auch für Selbstständige könne die PKV eine Alternative sein. Doch ansonsten sollten gesetzlich Versicherte nur dann in eine private Krankenversicherung wechseln, «wenn sie jung und gesund sind, niemals eine Familie gründen wollen und alle gesparten Beiträge für das Alter aufsparen». Schließlich müssten Ehepartner in der PKV voll versichert werden, und im Alter stiegen die Beiträge enorm an.
Doch ohnehin erschwert die Reform den Wechsel von der GKV in die PKV. Seit dem 2. Februar 2007 müssen Versicherte nachweisen, dass sie drei Jahre ununterbrochen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze lagen, also pro Jahr mehr als 47 700 Euro brutto verdient haben. «Vorher mussten Versicherte nur ein Jahr nachweisen», erläutert Bauer.
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