Gichtanfälle - Wenn das Festmahl auf die Gelenke geht
Aachen/Bad Nenndorf (dpa/tmn) - Ein Festmahl am Abend mit viel Braten und Unmengen Bier - und am folgenden Morgen schmerzt der große Zeh und ist geschwollen. Diagnose: Gicht.
Aachen/Bad Nenndorf (dpa/tmn) - Ein Festmahl am Abend mit viel Braten und Unmengen Bier - und am folgenden Morgen schmerzt der große Zeh und ist geschwollen. Diagnose: Gicht.
«Bei zwei Dritteln aller Gichtanfälle sind die Großzehengrundgelenke betroffen», erklärt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) in Aachen. Übergewichtige und Menschen mit entsprechender Veranlagung sollten zur Vorbeugung auf ihren Harnsäurespiegel achten.
«Typischerweise ist der Gichtanfall sehr heftig und sehr schmerzhaft, so dass das betroffene Gelenk nicht benutzt werden kann», erklärt Wolfgang Brückle, Rheumatologe aus Bad Nenndorf in Niedersachsen. Auch die Knie oder Ellenbogen können betroffen sein. «Begleitend können Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, erhöhter Puls, Kopfschmerzen und Erbrechen auftreten», sagt Morlo.
Auslöser für einen Gichtanfall ist eine zu hohe Konzentration von Harnsäure im Blut. Sie wird beim Abbau körpereigener Zellen, aber auch beim Abbau purinreicher Nahrungsmittel gebildet. «Bei zuviel Harnsäure im Blut bilden sich kleine Harnsäurekristalle in den Gelenken», erläutert Bertil Kluthe, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner in Freiburg.
Körpereigene Fresszellen versuchen, die Harnsäurekristalle abzubauen. «Die Kristalle hingegen bilden lange Nadeln, wie Dolche, an denen die Fresszellen zerplatzen. So kommt es zu der Entzündung im Gelenk», erklärt Prof. Ulf Müller-Ladner vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Berlin.
Der Arzt verordnet entzündungshemmende Medikamente, Schmerzmittel und eine gesteigerte Flüssigkeitszufuhr. Obwohl der Anfall von allein wieder abklingt, ist der Gang zum Arzt unabdingbar: «Jede Entzündung zerstört das Gelenk und sollte daher schnellstmöglich behandelt werden», sagt Prof. Müller-Ladner. Auch bestehe sonst die Gefahr einer chronischen Gicht.
Übergewichtige Männer im mittleren und höheren Alter sind die typischen Gichtpatienten. «Die Gicht ist eine Wohlstandskrankheit», sagt Margret Morlo. «Wer sich übermäßig fleischreich ernährt und alkoholische Getränke bevorzugt, der bekommt leichter einen Gichtanfall als Normalgewichtige.» Oft liegt auch eine Veranlagung in der Familie vor. «Bei angeborenen Stoffwechselstörungen oder verminderter Nierenfunktion wird die Harnsäure nicht in ausreichendem Maße vom Körper ausgeschieden», erläutert Brückle.
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