Gewalt in der Beziehung: Demütigungen machen oft den Anfang
Berlin/Bonn (dpa) - Es ging um eine Kleinigkeit. Rückblickend erinnert sich Alexandra aus Berlin nicht einmal mehr, worüber sie sich mit ihrem Freund gestritten hatte. Sie standen streitend im Flur, plötzlich öffnete er die Tür und schubste sie ins Treppenhaus.
Berlin/Bonn (dpa) - Es ging um eine Kleinigkeit. Rückblickend erinnert sich Alexandra aus Berlin nicht einmal mehr, worüber sie sich mit ihrem Freund gestritten hatte. Sie standen streitend im Flur, plötzlich öffnete er die Tür und schubste sie ins Treppenhaus.
Dann schlug er die Tür zu. «War das nun gewalttätig?», schoss es ihr gleich durch den Kopf. «Ja», sagt die Psychotherapeutin Gisela Dreyer aus Bonn: «Auch Demütigung ist eine indirekte Art von Gewalt.»
Körperliche Gewalt schleiche sich meist langsam, fast unbemerkt in eine Beziehung, so Dreyer: «Kritik und Demütigungen machen oft den Anfang.» Irgendwann kommt ein Schubser, die erste Ohrfeige - Experten sprechen von einer Spirale der Gewalt.
Wer glaubt, Gewalt in Paarbeziehungen komme hauptsächlich im bildungsarmen und einkommensschwachen Milieu vor, der irrt, ergab eine Studie des Bundesfamilienministeriums in Berlin aus dem Jahr 2005. «Insgesamt bestätigte die Untersuchung, dass Gewalt in Beziehungen kein Schichtproblem ist», so das Fazit der Autoren.
Auch Alexandra und ihr Freund sind Akademiker. Hätte sie gleich die Koffer packen sollen? Eine allgemeingültige Regel gibt es für Dreyer in diesem Fall nicht. Aber natürlich habe jeder nach dem ersten Schlag das Recht, eine Beziehung zu beenden.
Oft gehe der Eskalation eine Beziehungskrise voraus, in der die Verständigung nicht mehr klappt. «Dann kommt in der Anwendung von Gewalt auch eine gewisse Hilflosigkeit zum Ausdruck.» In jedem Fall müsse danach eine Umkehr erfolgen: «Der übergriffige Partner muss die Schwere seiner Tat erkennen und wissen, dass das nicht mehr passieren darf.» Am besten wäre es, wenn sich das Paar an eine Beratungsstelle wendet oder - gemeinsam oder getrennt - eine Psychotherapie beginnt. «Wenn dazu jedoch keine Bereitschaft besteht, dann ist es tatsächlich an der Zeit, zu gehen.»
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