Die Strategie gegen Viren: Vor Fernreisen zum Arzt gehen
Berlin (dpa/tmn) - Ob West-Nil-Virus, Dengue-Fieber, Vogelgrippe oder Sars: Immer wieder machen sich Fernreisende Sorgen, weil in ihrem Urlaubsland gerade exotische Krankheiten grassieren.

Erst vorsorgen, dann unbeschwert das Strandleben genießen: Experten raten, vor jeder Fernreise beim Arzt vorbeizuschauen. (Bild: dpa/tmn)
Mal tritt die eine Infektion gehäuft auf, mal eine andere - im Moment machen sich Experten vermehrt Gedanken um Gelb- und Chikungunya-Fieber, wie das «Forum Reisen und Gesundheit» auf der Reisemesse ITB (5. bis 9. März) in Berlin gezeigt hat. Wegen dieser regelmäßigen Veränderung von Risiken sei es sinnvoll, dass sich Weltenbummler vor jeder Tour reisemedizinisch beraten lassen - auch dann, wenn sie ihr Zielland von früheren Besuchen schon kennen, fordert Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM).
«Man darf sich nicht einfach sagen: 'Ich war vor fünf Jahren schon einmal in diesem Land, ich kenne die Situation dort.' Die Lage kann sich seitdem verändert haben», sagt der Experte. Er geht davon aus, dass «nur etwa die Hälfte aller Interkontinental-Reisenden zur Beratung geht». Weil die andere Hälfte darauf verzichtet, kehren auch Menschen krank aus Afrika, Asien oder Lateinamerika zurück, die sich leicht vor einer Infektion hätten schützen können. Schließlich ließen sich viele Krankheiten durch «banale Maßnahmen» verhindern, sagt Jelinek - zum Beispiel durch richtigen und konsequenten Mückenschutz.
Aktuell bereitet zum Beispiel das Gelbfieber Probleme. In diesem Jahr ist es zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder in der Grenzregion von Paraguay und Argentinien aufgetreten - «und zwar in einer Stärke, die mich überrascht hat», sagt Enno Winkler, der im Auswärtigen Amt in Berlin den Gesundheitsdienst leitet. Gegen Gelbfieber hilft eine Impfung, die mindestens zehn Tage vor Reiseantritt erfolgen sollte und dann zehn Jahre lang wirksam bleibt. Zahlreiche Länder verlangen inzwischen die Bestätigung einer solchen Impfung, bevor sie überhaupt einen Touristen ins Land lassen - zuletzt haben Bolivien und auch der ostafrikanische Staat Tansania das zur Einreisebedingung gemacht.
«Diese Länder wollen weniger den einzelnen Touristen schützen als ihre eigene Bevölkerung», erklärt Winkler. Tansania zum Beispiel habe schon seit 20 Jahren kein Gelbfieber mehr und will, dass das auch so bleibt - niemand mit dem Erreger im Körper soll die Grenzen passieren können. Sinnvoll sei eine Impfung gegen die Krankheit aber auch bei Reisen in Länder, die den Pieks in den Oberarm nicht zwingend vorschreiben, etwa Brasilien und Paraguay. «Nur weil keine Impfungen vorgeschrieben sind, heißt das noch lange nicht, dass die Impfungen nicht trotzdem sinnvoll wären», sagt auch der Leiter des CRM, Prof. Erich Kröger aus Düsseldorf.
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