Brustkrebs wird oft nicht optimal behandelt
Köln/Ulm (dpa/tmn) - Diagnose Brustkrebs - jede achte Frau in Deutschland muss sich mit diesem Schicksal auseinandersetzen. Mit jährlich rund 57 000 Neuerkrankungen ist das Mammakarzinom damit die bei Frauen häufigste Krebserkrankung.

Untersuchungsmethoden müssen auf dem neuesten Stand sein: Genaue Leitlinien geben die Brustkrebs-Behandlung vor. (Bild: dpa/tmn)
Und immer noch sterben laut Statistik vier von zehn Patientinnen an den Folgen des Tumors. Doch allein durch die Anwendung der neusten medizinischen Erkenntnisse und die bessere fachübergreifende Zusammenarbeit von Ärzten könnten viele Patientinnen wirksamer behandelt werden - und länger leben.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern werde Brustkrebs in Deutschland meist heimatnah außerhalb von spezialisierten Krebszentren behandelt, sagt Prof. Peter Mallmann von der Universitätsfrauenklinik Köln. Die Folge: Patientinnen sterben, weil sie nicht so behandelt werden, wie es den evidenzbasierten Leitlinien entspricht. Diese Therapieempfehlungen bauen auf gesicherten wissenschaftlichen Kenntnissen auf.
Solche Missstände belegen auch Ergebnisse des vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten BRENDA-Projektes: Nur rund die Hälfte aller Brustkrebspatientinnen in Deutschland wird den Leitlinien gemäß behandelt. Insbesondere sehr junge Patientinnen unter 35 Jahren und Frauen über 75 bekommen vergleichsweise selten eine Therapie, die aktuellen Empfehlungen entspricht.
Dabei steht der Nutzen einer leitliniengerechten Therapie außer Zweifel: Die gemäß dem Ideal behandelten Patientinnen überlebten nicht nur länger. Bei ihnen dauere es auch länger, bis nach einer erfolgreichen Therapie erneut ein Tumor auftritt, erläutert Prof. Rolf Kreienberg von der Universitätsfrauenklinik Ulm, der leitende Wissenschaftler des Projektes.
Eine komplette Brustkrebstherapie setzt sich aus verschiedenen Abschnitten zusammen: Neben der Brust-OP sind dies die Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle und die Strahlen-, Chemo- und Hormontherapie. Jedes Mal sind Entscheidungen gefragt - und jedes Mal sind Fehler möglich. Je mehr Abweichungen von der Idealtherapie, desto schlechter sind die Überlebenschancen: Acht von zehn leitliniengerecht behandelten Patientinnen haben den BRENDA-Daten zufolge auch nach fünf Jahren keinen erneuten Tumor. Bei den nicht leitliniengerecht therapierten Frauen sind es nur sechs von zehn.
Damit alle Brustkrebspatientinnen in Deutschland in den Genuss der bestmöglichen Therapie kommen, sind mehr als die bisher rund 160 zertifizierten Brustkrebszentren in Deutschland notwendig. Der Onkologe Kreienberg, selbst Leiter eines solchen Zentrums, schätzt den bundesweiten Bedarf auf 250.
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